Altena/Washington. Arbeitgeber suchen Arbeitskräfte: Darum ging es bei der Freiluft-Ausbildungsmesse, die Bürgermeister Andreas Hollstein am Freitag in der Innenstadt eröffnet hat. Hollstein selbst macht es jetzt, nach der Ankündigung, nicht wieder für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, umgekehrt: Er, der Arbeitnehmer, wirbt mit seiner Erfahrung und wartet auf Jobangebote von interessanten Arbeitgebern. Das sagt der CDU-Politiker von Washington aus im Interview mit LOKALSTIMME.DE.

Hollstein ist am Dienstag, nach der Ankündigung seines Amtsverzichts für den Herbst 2020, in die USA gereist. In der Hauptstadt Washington nimmt er an einer Tagung (Citizen Security Week) teil, die die Inter-American Developement Bank (IDB) gemeinsam mit der US-Regierung ausrichtet. Bei dem Treffen geht es um die Zukunft von Sicherheits- und Justizeinrichtungen und die Prävention von Kriminalität in Lateinamerika und der Karibik. LOKALSTIMME.DE hat mit dem scheidenden Bürgermeister, der sich für die USA-Reise Urlaub genommen hat, in der Nacht zu Mittwoch (Mitteleuropäischer Zeit) in Washington über seine Entscheidung, aufzuhören, und seine berufliche Zukunft gesprochen.

Frage: Sie deuten in Ihrer Erklärung, in der Sie am Dienstag den Verzicht auf eine erneute Kandidatur mitgeteilt haben, an, für neue Aufgaben offen zu sein. Welche Pläne haben Sie?

Andreas Hollstein: Ich habe nichts in der Hinterhand. Ich habe, wie jeder andere Angestellter auch, einen laufenden Vertrag bis Herbst 2020. Was dann kommt, weiß ich heute noch nicht. Obwohl mir der Amtsverzicht schwer fällt, ist es an der Zeit ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ich möchte nach einer weiteren fünfjährigen Amtszeit – dann bin ich 62 Jahre alt – nicht in meinem Garten die Blumen schneiden, dafür bin ich nicht der Typ. Ich habe den Vorteil, dass ich mit der Aufgabe des Bürgermeisteramtes kein Risiko eingehe: Falls ich keine neue Beschäftigung finde, bin ich dennoch abgesichert.

Sie haben vor der politischen Karriere einen Tischtennisclub gemanagt und später in der litauischen Botschaft gearbeitet. Welche Aufgabe reizt Sie denn nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt?

Sport ist interessant und auch internationale Politik. Ich habe in den vergangenen Jahren an vielen Diskussionsveranstaltungen zum Thema Migration teilgenommen, auch auf Ebene der Vereinten Nationen. Dort anzuknüpfen wäre eine Herausforderung.“

„Jetzt erst recht“

Welchen Einfluss haben die Messerattacke auf Sie im November 2017 und die anhaltenden Bedrohungen aus rechten Kreisen auf Ihre Entscheidung aufzuhören?

Gar keine, wirklich gar keine. Wenn, dann hätte ich noch 2017 aufgehört. Aber da bin ich von der Mentalität her Sauerländer und sage: Jetzt erst recht, ich mache weiter! Ich könnte mir auch ein anderes kommunalpolitisches Engagement vorstellen, in einer anderen Stadt mit einer besonderen Herausforderung.

Haben Sie keine Sorge nach dem Verzicht jetzt den Rest der Wahlzeit als „Lahme Ente“ zu Ende bringen zu müssen?

Sollte es ein Kräftemessen geben, nehme ich den Wettbewerb gerne auf. Ich habe nach wie vor politische Mehrheiten im Stadtrat. Ich möchte noch die Altschulden weiter abbauen, den laufenden Haushalt gut abschließen und den Etat für das Jahr 2020 gut planen.

„Gestaltung des Lenneparks geht weiter“

Was möchten Sie bis zum Ausscheiden aus dem Amt noch zu Ende bringen?

Da ist noch ganz viel – der Brandschutzbedarfsplan etwa. Oder das Integrierte Handlungskonzept zur Industriebrache am Schwarzenstein; das muss beschlossen werden und ich möchte noch an der Umsetzung mitarbeiten. Auch mit der Gestaltung des Lenneparks soll es nächstes Jahr weitergehen. Und die Pop-up-Initiative für leer stehende Geschäfte in der Innenstadt will ich auch noch einmal aufgreifen. Ich habe nach wie vor Freude an der Arbeit.

Welche Entscheidung ist Ihnen in Ihrer Amtszeit am schwersten gefallen?

(Hollstein zögert einen Moment) Es gab viele schwierige Entscheidungen. Personalentscheidungen im Rathaus, bei denen es um Menschen geht, sind immer schwer. Auch die Schließung des Freibads Linscheid oder Steuererhöhungen gehören dazu.

Welche Entscheidung war für die Stadt Altena am wichtigsten?

(Hollstein überlegt) Vielleicht der Stadtumbau und sicher die Konsolidierung der Stadtfinanzen. Das sind auch Entscheidungen, die ineinander greifen.

„Viele politische Korrekturen waren notwendig“

Welche Erinnerung haben Sie an den Wahlabend im Herbst 1999, als Sie – für viele vielleicht überraschend – gegen den SPD-Kandidaten Heinz-Dieter Tischhäuser das Rennen um das Amt des Bürgermeisters gewonnen haben?

Das Glücksgefühl an dem Abend habe ich gut in Erinnerung behalten. Und die Torte, die Rainer Merz zur Siegesfeier vorbeigebracht hat.

Haben Sie damals damit gerechnet, dass daraus eine mehr als 20-jährige Amtszeit werden wird?

Nein, ich würde lügen, wenn ich das heute behaupten würde. Gerade in den ersten fünf Jahren waren politisch viele Korrekturen notwendig, die nicht populär waren. Ich hatte sogar damit gerechnet, bei der Wahl 2004 an Zustimmung zu verlieren – dabei ist sie sogar gestiegen. Das war ein toller Vertrauensbeweis.

Die Fragen stellten Carsten Menzel und Björn Braun.

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