Iserlohn/Münster. Wie zufrieden sind die Iserlohner mit ihrer Stadt? – Eine Online-Befragung der Einwohner sorgt, wenige Monate vor der Kommunalwahl im Herbst, für Diskussions- und Zündstoff in der politischen Debatte der Waldstadt.

Wer steckt hinter der Online-Befragung?
Die Online-Befragung, die unter dem Titel „Iserlohn2020“ läuft, haben Studierende der Fachhochschule (FH) Münster, Fachbereich Wirtschaft, unter Anleitung ihres Dozenten, Prof. Roland Multhaup, aufgelegt.

Gibt es einen externen Auftraggeber, etwa die Stadtverwaltung Iserlohn?
„Es handelt sich um eine Semesterarbeit der Studierendengruppe“, sagt dazu deren Dozent, Prof. Multhaup, auf Nachfrage von LOKALSTIMME.DE. Diese soll aus sieben Mitgliedern bestehen. Einen externen Auftraggeber gebe es nicht.

Was ist Inhalt der Befragung?
Vorweg: Wer sich an der Befragung beteiligt, bleibt anonym; es werden lediglich Angaben zu Alter, Geschlecht, Bildungsgrad und Zuordnung zu einem Stadtbezirk als statistische Angaben abgefragt. Inhaltlich geht es um Mediennutzung als Informationsquelle, um die Wichtigkeit von politischen Handlungsfeldern (Umweltschutz, Stadtentwicklung, Finanzen/Haushalt), aber auch um konkrete Projekte in Iserlohn, die kontrovers diskutiert worden und werden: die Schließung des Marienhospitals in Letmathe, das Rathaus (Sanierung oder Neubau) und das Karstadt-Gebäude. Auch die „Abfindungsaffäre“ um die 250.000 Euro, die ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung bekommen sollte, und die inzwischen mit zum Rücktritt des Bürgermeisters und zu einer juristischen Aufarbeitung geführt hat, wird thematisiert. Abgefragt wird auch der Bekanntheitsgrad der im Rat vertretenen Parteien und insbesondere die der neuen Wählervereinigung „DieIserlohner“.

Woran macht sich die Kritik am Fragenkatalog fest?
In Chats und Foren der sozialen Medien wird immer wieder daraufhin gewiesen, dass durch die Fragen die Wählervereinigung „DieIserlohner“ mehrfach in den Fokus gerückt würde – ein Umstand, der als Wahlwerbung verstanden werden kann und die andere Parteien oder Wählergruppierungen in der Waldstadt benachteiligt.

Wird eine ähnliche Umfrage auch in anderen Kommunen durchgeführt?
Das ist offenbar nicht der Fall. „Iserlohn ist wegen der besonderen Situation ausgewählt worden“, begründet Prof. Multhaup: Mit der Befragung soll festgestellt werden, ob Wähler/innen auf Vorfälle wie die der „Abfindungsaffäre“ reagieren und womöglich bei der nächsten Wahl ihr Kreuz an anderer Stelle machen, etwa bei einer Wählervereinigung, die es vor fünf Jahren noch nicht gab und die derzeit auch nicht im Stadtrat sitzt und insofern als unbelastet angesehen werden könnte. Das jedenfalls ist für Prof. Multhaup die „besondere Situation“ in der Waldstadt: die „Abfindungsaffäre“ einerseits und die neu gegründete Wählervereinigung andererseits. Es gehe darum, die „Reaktivität der Wähler“ zu ermitteln, behauptet Multhaup.

Wann sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden?
Eine Auswertung der Ergebnisse soll ab Ende Januar erfolgen; das Gesamtergebnis dann spätestens Mitte Februar feststehen, so Prof. Multhaup.

Ist die Umfrage repräsentativ?
Für eine repräsentative Umfrage, wie etwa die so genannte „Sonntagsfrage“ der Wahlforscher, müssten die Befragten nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden. An der Befragung „Iserlohn2020“ kann sich aber jeder beteiligen, der möchte.

Gab es eine Kontaktaufnahme der Studierendengruppe oder des Dozenten zur Stadt Iserlohn zur Vorbereitung der Umfrage?
Es habe vorab keine Kontaktaufnahme seitens der Studierenden oder des Dozenten gegeben, heißt es auf Anfrage von LOKALSTIMME.DE aus dem Rathaus.

Ist die Stadt Iserlohn vorab darüber informiert worden, dass die FH Münster eine Online-Befragung in Iserlohn durchführen wird?
Im Gespräch mit Mitarbeitern der Stadt Iserlohn habe Prof. Multhaup „im Dezember 2019 nebenbei erwähnt, dass demnächst Ergebnisse einer Befragung veröffentlicht würden, ohne jedoch auf die Art und Weise der Befragung oder deren Inhalte näher einzugehen“, teilt die Stadtverwaltung dazu mit; die Verwaltung habe erst durch die Berichterstattung über die Befragung konkret erfahren. Eine Bewertung der Umfrage möchte die Stadtverwaltung nicht vornehmen.

Hat der anleitende Dozent einen Bezug zu Iserlohn?
Im Gespräch mit LOKALSTIMME.DE hat Prof. Multhaup berichtet, dass er in die Waldstadt umziehen will und bereits ein Wohngebäude im Ortsteil Lössel erworben habe.

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