Menschenrettung aus Trümmern – Hundestaffeln trainieren in Abrisshäusern in Altena

Altena. Hundegebell hallt aus dem Haus. Das Gebäude, aus dem alle Fenster und die Haustür brutal herausgebrochen sind, ist in gleißendes Scheinwerferlicht getaucht. Vor dem Wohnhaus stehen Feuerwehrautos und Wagen vom Technischen Hilfswerk (THW), Menschen in blauen und orangen Uniformen sind auf der Straße unterwegs. – Die ausgedienten Häuser an der oberen Memeler Straße haben temporär noch einmal eine sinnvolle Nutzung erfahren.

Rettungshundeführer der Feuerwehr Iserlohn und vom Bundesverband Rettungshunde (BRH)/Einheit Märkisches Sauerland haben am Donnerstag (24. Oktober) mit ihren Vierbeinern die für den Abriss vorbereiteten Gebäude am Breitenhagen als Übungsobjekte genutzt. Das THW sorgte dabei mit viel Power für Licht; die Feuerwehr Altena, die im Ernstfall im Stadtgebiet die Einsatzleitung hätte, war mit dem Einsatzleitwagen aus der Löschgruppe Rahmedetal vertreten, um die Zusammenarbeit mit den Hunde-Staffeln zu üben.

„Baxter“ ist noch in der Ausbildung. Seit einem Dreivierteljahr trainiert er. Oder besser: Wird er trainiert. Der Boxer-Rüde mit dunkelbraunem Fell soll ein Rettungshund werden. Im Haus Nr. 26 der Memeler Straße lässt ihn seine Hundeführerin Kathrin von der Leine. Sofort saust der Vierbeiner los, durch Staub und abgebröckelte Putzreste, die im Treppenhaus und in den Zimmern auf dem Boden liegen. Erst in die linke Wohnung – Bad, Küche, zwei Zimmer – dann in die auf der rechten Seite.

Leckerchen als Belohnung

Bei der Erledigung seines Auftrags ist „Baxter“ sichtlich engagiert – findet aber leider beim ersten Versuch die falsche Person: nämlich den LOKALSTIMME-Reporter, der mit der Kamera die Übung filmt. „Baxter“ freut sich trotzdem und auch die Hundeführer vom BRH Märkischen Sauerland sind dem Boxer nicht böse. Er ist ja noch in der Ausbildung, lernt, seine Fähigkeiten gezielt einzusetzen.

„Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Rettungshund“, berichtet Nicole Strumpf, selber Hundeführerin und erste Vorsitzende der Einheit Märkisches Sauerland. Trainiert wird am Breitenhagen die Suche nach verschütteten Personen. Deshalb verstecken sich die Mitglieder der Einheit, deren Hunde gerade nicht an der Reihe sind, hinter Schutt oder Gerümpel in den leeren Wohnungen, um sich finden zu lassen. Sind die Vierbeiner erfolgreich, gibt es jeweils eine Belohnung für sie: kleine Leckerchen. „Socke“, ein schwarz-weiß gefleckter Australian Sheppard, mit Zugführer Andre ergattert ein Leckerchen, auch „Oskar“ von Führerin Maria.

Viele Gerüche, die ablenken

Mit zwölf Vierbeinern ist auch die Hunde-Einheit der Feuerwehr Iserlohn zur Übung zum Breitenhagen gekommen. Dabei sieht Oberbrandmeister Bernd Krause, der Leiter der Einheit, fast ein bisschen enttäuscht aus. Er hätte sich gewünscht, dass der Abrissbagger schon an den Häusern geknabbert hätte; dass die Gebäude nur noch teilweise stehen und die Schuttberge für das Hundetraining einer möglichen Einsatzstelle sehr nahe kommen. Dennoch schätzt Krause die Übungsmöglichkeit.

„In einer Wohnung, auch einer leer geräumten, gibt es viele Geruchsspuren“, erklärt der Oberbrandmeister. Gerüche, die den Rettungshund ablenken können, aber nicht ablenken sollen von der Suche nach einem bestimmten Menschen – einem Menschen in Not. In dieser Hinsicht hätten es Lawinenhunde einfacher, vergleicht Krause: „In einer Lawine gibt es im für den Suchhund günstigsten Fall nur eine Geruchsspur: Nämlich die, von der verschütteten Person.“

Zehn bis zwölf Einsätze im Jahr

Dass die Iserlohner Rettungshunde zur Suche in Trümmern von Gebäuden gerufen werden, komme – glücklicherweise – eher selten vor, berichtet Bernd Krause. Das Training muss dennoch – oder gerade deshalb – sein.

„Etwa zehn bis zwölf Mal im Jahr“ werden die Hundeführer mit ihren Vierbeiner hingegen gerufen, um „in der Fläche nach vermissten Menschen zu suchen“: in Wäldern, an Flussufern, in Wohngebieten.

Sprengübungen reißen Löcher in Mauern

Bis weit nach Einbruch der Dunkelheit trainieren die Zwei- und Vierbeiner der beiden Staffeln am Breitenhagen. das geht auch deshalb, weil das THW Altena seinen Stromaggregat (50 Kilovolt) angeworfen und die Lichtmasten ausgefahren hat.

In den ehemaligen Wohnhäusern an der oberen Memeler Straße, die die Altenaer Baugesellschaft abreißen lässt, haben bereits mehrere Übungen stattgefunden, von der örtlichen Feuerwehr ebenso wie von Sondereinsatzkommandos. Letztere waren dabei bis in die Innenstadt kaum zu überhören: Die Spezialkräfte haben in den ausgedienten Gebäuden Sprengungen geübt, die Löcher in die Mauern gerissen haben.

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Fotos: Björn Braun und Carsten Menzel

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