Altena. „Jetzt hier alles für einen Euro!“ Als Ralf Fäsing an seinem Stand für den Abkauf wirbt, zeigt die Uhr in seinem Rücken, hoch oben am Turm der Lutherkirche, schon drei Uhr nachmittags, da hat Fäsings Stand schon mehr als zwölf Stunden geöffnet. Durch die Fußgängerzone Altena schieben sich am Einheitsfeiertag die Besucher des Flohmarkts: Allerdings ist das um diese Uhrzeit mehr Lauf- als Kaufkundschaft. Die richtigen Schnäppchenjäger sind da schon längst fündig geworden. Sie haben den Flohmarkt schon am frühen Morgen oder in der Nacht abgegrast – und es gab im Angebot nichts, was es nicht gab.

„Ich will nicht mehr weiter laufen!“, nörgelt ein kleiner Junge in einer blauen Jacke, als seine Eltern von der Marktstraße in die Bungernpassage abbiegen, wo die Flohmarktstände zwar im Trockenen, aber irgendwie auch ein bisschen abseits stehen. Dass der Junge keine Lust mehr hat, mag daran liegen, dass er bereits stolz ein Konsolenspiel in der Hand vor sich her trägt: Er hat sein Schnäppchen offenbar schon gemacht. Ihm reicht es; er ist zufrieden. Seine Eltern wollen aber noch weiter, schauen, was der Verkauf von Stand zu Stand noch so alles hergibt.

Und das ist von Jahr zu Jahr immer wieder erstaunlich: Duscharmaturen, Reisekoffer, Oberbekleidung, Legofiguren, Kupferstiche, Gourmetgrill, Puzzle, Computerspiele, Porzellan, Spiegel, Comics und an einer Stelle ein Gewirr aus diversen Telefon- und Computerkabeln – kein Warenhaus der Welt kann ein Angebot vorhalten wie ein Flohmarkt. Und der in Altena, seit 29 Jahren stets am 3. Oktober, findet auch noch unter freiem Himmel, durch die Fußgängerzone, statt.

Mit dem Wetter hatten Besucher, Veranstalter und Standbetreiber durchaus noch Glück – für Anfang Oktober hätte es schlimmer kommen können. Die meisten Standbetreiber sind aus Erfahrung bestens ausgestattet: Die durchsichtigen Plastikplanen zum Abdecken der Auslage bei einem Schauer liegen griffbereit. Ist der Regen durch, wird wieder aufgedeckt. Dass die Besucher sich haben nicht abschrecken lassen, zeigt der Parkplatzsuchverkehr, der spätestens gegen Mittag einsetzt; Autos parken entlang der Linscheidstraße bereits bis in Höhe der Stadtwerke.

Weniger Stände als früher

So sehr der Flohmarkt seinem Ruf als Publikumsmagnet bis ins Ruhrgebiet und Hochsauerland – das verraten die Kennzeichen der Wagen am Straßenrand und in den Parkhäusern der Innenstadt – auch wieder gerecht wird: Nicht wenige Händler stellen fest, dass „es früher mehr Stände waren“. Das fällt auch Jana Schwieren auf. Sie hat ihren Verkaufsstand in einer Garage am Abzweig zum Nalshof eingerichtet. Neben ihr, stadtabwärts, ist eine große Lücke, bis sich der nächste Stand einreiht. „Vielleicht liegt es auch am Internet. Die Menschen bieten viel dort zu günstigen Preisen an“, mutmaßt Jana Schwieren über das nachlassende Händlerinteresse. Ihr macht der Flohmarkt mehr Spaß als ein An- oder Verkauf übers Internet: „Ich mag das Gespräch mit den Menschen“, sagt sie. Immerhin: Mehr als 120 Stände zählt der Verein Altena Stadtmarketing als Veranstalter des Flohmarkts.

Für die Schwierens ist der Flohmarkt eine Familienangelegenheit: Bereits nachts um ein Uhr hatte ihr Garagenverkauf geöffnet; Tochter Kira Schwieren versieht den Dienst. Ein Heizofen vertreibt ein bisschen die herbstliche Nachtkühle, die die Temperatur auf einstellige Werte hat fallen lassen. Kira Schwieren wartet „auf die erste Welle“ an Schnäppchenjägern, die der frühe Morgen bringen soll. Ein paar Kneipengäste auf dem Heimweg hätten die Auslage aber auch schon in Augenschein genommen, berichtet sie.

Hotspot für Nachtverkauf

So früh in der Nacht zum Donnerstag sind fast alle Stellplätze von der Standbetreibern zwar reserviert, aber noch nicht alle besetzt; die wenigsten haben den Vorzug einer Garage im Rücken als Lager- und Rückzugsort. Ein Hotspot für den Nachtverkauf ist indes die Ecke Kirchstraße/Küstersort. Dort haben bereits einige Händler geöffnet. „Ganz oder gar nicht!“, kurbelt Ralf Fäsing da schon ein Verkaufsgespräch an. Der potenzielle Kunde zögert immer noch. „Nee, nicht morgen – da bin ich wieder weg“, schickt Ralf Fäsing hinterher. Völlig zurecht: Es ist lange nach Mitternacht, wie die Uhr in seinem Rücken, hoch oben am Turm der Lutherkirche, zeigt, es ist schon Donnerstag, der 3. Oktober. Am Freitag ist kein Flohmarkt mehr. Erst wieder in einem Jahr. Am nächsten Einheitsfeiertag.

Von Carsten Menzel und Björn Braun.

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