Altena. Professor Jürgen Gramke, Altenas ehemaliger Stadtdirektor und spätere Mitbegründer des Initiativkreises Ruhrgebiet, feiert am Samstag (12. Oktober) seinen 80. Geburtstag. Gramke lebt mittlerweile, nach seinem kurzen Ausflug in die Landespolitik in Sachsen-Anhalt, in Essen, engagiert sich dort bürgerschaftlich  – und hält nach wie vor Kontakt in die Burgstadt, in der sein Wirken bis heute Spuren hinterlassen hat.

Gemeinsam mit dem damaligen, ehrenamtlichen Bürgermeister Günter Topmann (SPD) und Altenas Stadtbaurat Hans Brettar bildete Gramke in den 1970er-Jahren ein mutiges politisches Trio in Altena und legte die wesentlichen Grundlagen für die – nicht gänzlich unumstrittene – Modernisierung der Stadt – einer Stadt, die sich gerade vergeblich bemüht hatte, Kreisstadt zu bleiben.

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In Gramkes Amtszeit fällt die Entscheidung für den Bau der Lenneuferstraße als Parallele zur Einkaufszone, um den Autoverkehr aus der Lennestraße herauszuholen und sie zur Fußgängerzone zu machen wie auch der Entschluss zu modernen Wohnbauten in der Innenstadt. Der Preis für die Stadtsanierung und der modernen Straßenführung durch neue Brücken über die Lenne: der Abriss historischer Gebäude wie dem „Stapel“, der Turnhalle und Teile der Feuerwache am Bungern und dem Iserlohner Tor.

Unumstrittenen sind Gramkes Verdienste um die Bürgerbeteiligung in der Burgstadt: In seine Zeit gehen die Einwohnerversammlungen zurück, in der die Bürgerinnen und Bürger Kritik üben und Vorschläge für die Entwicklung ihrer Stadtteile gegenüber der Stadtspitze machen konnten. Auch die Förderung von Kunst und Kultur liegt Gramke am Herzen; er schafft es, in Altena eine Atmosphäre der Weltoffenheit zu erzeugen.

1971 Dienstantritt im Altenaer Rathaus

Jürgen Gramke stammt gebürtig aus Westpreußen im heutigen Polen; er studierte Rechtswissenschaft an der Universität Kiel und trat dann zunächst in den Verwaltungsdienst der schleswig-holsteinischen Landesregierung ein. Im August 1971 wurde Gramke Stadtdirektor und damit zum Chef der Verwaltung im Altenaer Rathaus. Durch sein souveränes Auftreten, gepaart mit der Kunst der Diplomatie und seinem rhetorischen Können, erwarb sich der Verwaltungsjurist eine hohe Anerkennung – über die Grenzen der Burgstadt hinaus. So folgte im August 1978 der Abschied aus Altena; Gramke wechselte auf den Chefsessel zum Kommunalverband Ruhrgebiet (heute: Regionalverband Ruhr, RVR), einem Zusammenschluss von 11 (Groß-)Städten und vier Kreisen, die die Metropolregion Ruhrgebiet bilden, mit Sitz in Essen.

Geheimtreffen beim Ruhrbischof

In den Jahren 1988/89 schrieb Gramke Landesgeschichte in Nordrhein-Westfalen mit, als er gemeinsam mit Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen, den später die RAF ermordete, und dem Industriemanager und Veba-Chef, Rudolf von Benningsen-Foerder, den Initativkreis Ruhrgebiet gründete; die Vorgespräche dazu – noch abseits der Öffentlichkeit – fanden unter dem Dach der Kirche beim Ruhrbischof, Kardinal Franz Hengsbach, im bischöflichen Generalvikariat in der Essener Innenstadt statt. Heute gehören rund 70 Unternehmen dem Zusammenschluss an, der sich für Bildung, Wirtschaft und Kultur (u. a. Klavierfestival Ruhr) engagiert.

1994 folgte Gramkes kurzer Ausflug in die Landespolitik. Der damalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner (SPD), berief Gramke als Minister für Wirtschaft und Technologie in sein Kabinett; nach nur vier Monaten (22. November 1994) gab Gramke dieses Amt wieder auf.

Scheffe der Kompanie Kelleramt

Professor Jürgen Gramke arbeitete fortan beim Institut für europäische Angelegenheiten (Institute für European Affairs, INEA), deren Vorstand er bis heute ist, als politischer Berater. Bis heute bringt sich Professor Jürgen Gramke bei der Bürgerschaft Essen-Kupferdreh ein und hält Kontakte in seine alte Wirkungsstätte, der Burgstadt: ob zum Kulturring oder über die Schützen der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft, deren Scheffe der Kompanie Kelleramt er geblieben ist, und meist am Schützenfest-Samstag das Fest besucht.

LOKALSTIMME.DE schließt sich den zahlreichen Gratulanten an und wünscht dem Jubilar alles Gute zum 80.!

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