KOMMENTAR. Schaut man sich an, was in den letzten Tagen nach dem Messerangriff auf den Bürgermeister der Stadt Altena, Andreas Hollstein, in den sozialen Medien zu lesen ist, dann kann man sich nur Fragen was mit der Gesellschaft in Deutschland passiert ist.

Von „der Angreifer ist das eigentlich Opfer“, “das ist doch nur ein Kratzer vom rasieren” bis hin zu “es handelt sich um ein Fake-Attentat“ ist viel bei Twitter und Facebook zu lesen. Hollstein mit seinem “kleinen” Pflaster am Hals, das fünf Zentimeter groß ist und nicht wie erst durch eine falsche Weitergabe der Zahl von 15 Zentimeter gekommen ist, wird gerne als Fake-News und totale Übertreibung angesehen. Laut Staatsanwaltschaft ist das aber ein Mordanschlag gewesen, egal ob die Wunde 15 oder nur 5 Zentimeter gewesen ist. Dies wird aber gerne “ignoriert” aufgrund der nicht großen Wunde.

Anzeige2 / Werbeplatz Buchen

Dass der Bürgermeister der Stadt Altena “nur” diese fünf Zentimeter “abbekommen” hat, ist der tatkräftigen Unterstützung der Betreiber des Dönerladen zu verdanken die mehrere Minuten mit dem Angreifer gekämpft haben.

Zusätzliche Flüchtlinge sollen Tatmotiv in Altena sein

In Deutschland scheinen sich viele Menschen abgehängt und benachteiligt zu fühlen. So wie auch der Täter von Altena dies als Gründe für die Tat, direkt vor Ort, angegeben hat. Einen Sündenbock für sein Leben hatte der Messerangreifer in den Flüchtlingen gefunden. Deshalb war in seinen Augen für ihn kein Geld für Wasser vorhanden.

Hollstein ist einer von zwei Geschäftsführern der städtischen Stadtwerke. So wie in vielen weiteren Einrichtungen und Institutionen der Stadt. Das bringt so ein Posten als Bürgermeister mit sich.

Hollstein, so die Ansicht einiger, hat „persönlich“ den Auftrag zur Wassersperrung angeordnet. Man stelle sich mal vor, in Deutschland würde jeder Bürgermeister erst eine Wassersperrung „persönlich“ in Auftrag geben, die kommunale Arbeit würde zum Erliegen kommen. Aber es ist natürlich einfacher, solche Phrasen in den „unsozialen“ Netzen zu verbreiten. Leider ist dies von einem warmen Sofa hinter einem „anonymen“ Bildschirm deutlich bequemer.

Dass der Angreifer von Altena aber von den einen auf den anderen Tag nicht mehr zur Arbeit erschienen sein soll, dadurch seinen Job verlor, sich sein Haus in einer Zwangsversteigerung befindet, daran sind garantiert auch die anderen Schuld. Es ist für viele einfacher sich einen Sündenbock zu suchen, als sich seinen eigenen Problemen zu stellen und Eigenverantwortung für sein Leben zu übernehmen. Jammern und sich beschweren ist deutlich entspannter und die bequemere Lösung, als seine Situation selbst zu ändern.

Man kann nur hoffen, dass schnellstmöglich ein Umdenken stattfindet und unsere Gesellschaft noch die Kurve bekommt. Bevor wir wieder in ein Deutschland hineinschliddern, das viele von uns zum Glück nicht erleben mussten.

Nach Messerangriff von Altena – Hetze vom warmen Sofa
Nach dem Messerangriff in Altena wird in den „unsozialen“ Netzwerken gehetzt.

Lesen Sie auch:

Teilen
Björn Braun

Gründer und Redakteur von lokalstimme.de – Inhaber vom Fotostudio fotos-braun.de in Altena.